#umwasgehteswirklich
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#umwasgehteswirklich

Frage & Antwort mit
Landeshauptmann Arno Kompatscher

  • + "Um was geht es wirklich?" Warum diese Frage?
     

    •  Ganz einfach, weil sich die Zeiten ändern. Die Welt verändert sich und wir verändern uns. Wir sind mobiler geworden, erreichbarer aber gleichzeitig auch ersetzbarer. Und inzwischen gibt es auch ein Überangebot an Geschwindigkeit. Wir stehen im Stau. Wir müssen die Kinder von der Schule abholen oder zum Musikkurs bringen. Wir müssen mit der Bank den Kredit neu verhandeln oder wir sind für unseren Verein unterwegs, um neue Mitglieder zu gewinnen. Wir tun sehr vieles gleichzeitig und manchmal ist es auch ein Zuviel an Geschwindigkeit. Viele von uns wünschen sich oft Entschleunigung. Denn oft riskieren wir, Lebensqualität einzubüßen und auch den Blick dafür zu verlieren, wie schön es ist, in diesem tollen Land Südtirol zu leben.
       

  • + Worin liegt dieses wirklich Entscheidende?
     

    • Für mich ist zunächst einmal wichtig, Herausforderungen anzunehmen, sie als Gemeinschaft anzunehmen und sie auch gemeinsam anzugehen – kurzum, zusammenzuhalten. Dabei geht es auch darum, die richtigen Fragen zu stellen. Was ist wirklich wichtig? Was brauchen wir wirklich, damit es uns gut geht? Was brauchen wir, damit wir zuversichtlich in die Zukunft schauen können? Ich bin überzeugt davon, dass viele Südtirolerinnen und Südtiroler am Ende des Tages, wenn die Arbeit getan ist, oder wenn man gerade die Kinder zu Bett gebracht hat, sich genau diese Fragen stellen. Die Antworten werden ziemlich unterschiedlich ausfallen, individuell. Aber wichtig ist eines: dass es eine Zuversicht gibt als Basis dafür, damit man die richtigen Antworten finden kann.

       

  • + Welche Rolle spielt dabei die Politik?
     

    • Es wird häufig der Eindruck erweckt, Politik könne oder solle alle Probleme der Welt lösen. Das kann Politik sicher nicht. Politik kann Rahmenbedingungen schaffen. Rahmenbedingungen für Menschen, damit diese ihren Traum verwirklichen können. Das war der Ansatz seit Beginn meiner Amtszeit vor fünf Jahren und da standen wir mitten in einer Wirtschaftskrise. Wir hatten handfeste Probleme, weil Rom unseren Landeshaushalt angegriffen hat, uns Mittel entzogen hat und auch weil die Autonomie in der nationalen Kritik stand. Außerdem drohte der Verlust unserer Energiekonzessionen. Es ist gelungen, die Autonomie besser abzusichern. Es ist auch gelungen, den Haushalt sicherzustellen und wir haben somit Planungssicherheit und Zuversicht für die Zukunft gewonnen. Das haben wir vor allem mit einem Ziel gemacht: dass wir die Menschen in die Lage versetzen können, in Eigenverantwortung ihre Zukunft in die Hand zu nehmen.
       
  • + Welche konkreten Beispiele sprechen für diese Art von Politik?
     

    • Nun, ich könnte jetzt vieles aufzählen, was wir in der abgelaufenen Legislaturperiode erreicht haben, zum Beispiel die Steuererleichterungen, die es ermöglichen, dass die Bürgerinnen und Bürger, aber auch die Unternehmen jetzt die Mittel haben, ihre Zukunft freier und eigenständig gestalten zu können. Oder die Absicherung der Autonomie, 18 Durchführungsbestimmungen zum Autonomiestatut, die neue Zuständigkeit für die Wasserkraft oder die Sicherstellung der Nahversorgung im ländlichen Raum. Es gäbe noch viele andere Beispiele mehr und ich denke, diese Erfolge werden durchaus auch anerkannt. Aber das alleine ist zu wenig. Letztlich geht es doch um Vertrauen. Es geht um das Vertrauen in die Führung und ob man mir als Landeshauptmann zutraut, dieses Land mit den richtigen Entscheidungen auch sicher in die Zukunft zu führen.
       
  • + Gab es Entscheidungen, die nicht richtig waren?
     

    • Es gibt ja einige Menschen, die von sich behaupten, immer alles richtig zu machen. Zu denen gehöre ich ganz bestimmt nicht. So gab es auch in dieser Amtszeit Fehler. Zum Beispiel die Art und Weise, wie wir die Gesundheitsreform angegangen sind. Hier hätte man einiges besser machen können. Oder auch die Zusammenführung der Betriebe in den Landesbetrieb IDM. Da mussten wir nachbessern, weil wir am Anfang nicht ganz die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Wichtig ist, Fehler zu erkennen und sie auch zu korrigieren. Und ich denke, es ist auch wichtig, dann die Dinge richtig weiterzuführen.
       
  • + Wie wichtig ist Vertrauen in der Politik?
     

    • Das Vertrauen ist nicht nur in der Politik wichtig. In jeder Gemeinschaft ist Vertrauen wichtig, jede Gemeinschaft baut auf Vertrauen auf. Das beginnt bei der Familie und das betrifft die Dorfgemeinschaft und letztlich auch das ganze Land Südtirol. Südtirol hat immer davon profitiert, dass es dieses Vertrauen in die Politik gab. Das Vertrauen darauf, dass es Menschen gibt, die sich wirklich mit ihrem Herz und mit ihrem Verstand für das Land und die Menschen einsetzen. Es ist viel Vertrauen in die Politik verloren gegangen. Nicht nur in Südtirol, sondern in ganz Europa. Mir geht es darum, dieses Vertrauen zurückzugewinnen. Denn darauf baut unsere Gemeinschaft.
       
  • + Wie arbeiten Sie tagtäglich, um Ihre Politik in die Realität umzusetzen?
     

    • Mir persönlich ist eine klare Haltung wichtig. Meine Haltung baut auf meinen Grundwerten auf und auf das Bewusstsein darüber, um welche Ziele es geht. Wenn Klarheit darüber herrscht, dann ist es auch möglich, die notwendige Ausdauer aufzubringen, um harte Verhandlungen zu führen, unnachgiebig zu sein, aber auch dialogbereit, um letztlich auch die Ziele erreichen zu können. Das laute Poltern überlasse ich lieber anderen. Das ist nicht mein Ding. Es mag medienwirksam sein, aber letztlich führt es nicht zum Erfolg. Südtirol war immer dann erfolgreich, wenn es auf Dialog gesetzt hat.

   

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Arno Kompatscher

Vorausgehen

Die Zeiten haben sich geändert. Die Welt wird immer schneller. Was gestern noch neu war, ist morgen schon wieder überholt. Nicht umsonst wünschen sich viele von uns Entschleunigung und etwas mehr Gelassenheit.
Bei so viel Geschwindigkeit verliert man schnell den Blick auf das Wesentliche. Besinnen wir uns wieder mehr darauf, in was für einer wertvollen Gemeinschaft und in welch‘ schönem Land Südtirol wir leben dürfen.

Vorausgehen bedeutet Verantwortung übernehmen. Ich bin bereit vorauszugehen für unsere Autonomie, für Chancengerechtigkeit in einer freien und offenen Gesellschaft. Für eine Heimat die Sicherheit gibt und in der das Verbindende über dem Trennenden steht. Dafür lohnt es sich zu kämpfen.


Landeshauptmann Arno Kompatscher
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